Erziehen im Waldorfkindergarten

Informationen zur Erzieherausbildung

- Wie lernt das Kind?
- Die Sinne und der Sinn
- Vertrauen und Sicherheit
- Pädagogik in freier Trägerschaft
- Erzieherinnen und Erzieher
- Wie wird man Erzieherin oder Erzieher im Waldorfkindergarten oder für -Horte und -Heimeinrichtungen?

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Wie lernt das Kind?
Das kleine Kind ist veranlagt, tätig nachzuahmen; deshalb fließt ihm auch der Gehalt der Gedanken und des Tuns der Erwachsenen durch Wahrnehmung und Nachahmung zu - nicht durch belehrende Mitteilung. Es lernt

• im Zusammenleben mit anderen Menschen
• beim Spiel mit den Dingen
• durch liebevolle Beziehung zu Menschen und Dingen
• durch Heiterkeit und Lebensfreude
• in der Hingabe an das, was es tut
• durch Schönheit und Pflege der Umwelt
• durch alles künstlerische Tun

Die Sinne und der Sinn
Nachahmung setzt Sinneswahrnehmung voraus. Deshalb werden die Sinne und alle ihre Möglichkeiten im Waldorfkindergarten mit Sorgfalt gepflegt:

• durch rhythmisch gegliederte Tages- und Wochenabläufe
• durch Anregungen für das freie und gruppenorientierte Spielen
• durch eine harmonische Umgebung (Farben, Proportionen, Raumschmuck)
• durch erfahrbare Solidität von Möbeln, Materialien, Spielzeug und Geschirr
• durch künstlerische Tätigkeiten (Malen, Plastizieren, Eurythmie, Singen, Musik)
• durch gepflegte Umgangssprache und Gesten der Erwachsenen
• durch nachvollziehbare handwerklich-praktische Angebote


Vertrauen und Sicherheit
werden genährt:

• durch Regelmäßigkeit im Tagesablauf
• durch rhythmisch wiederkehrende Wiederholungen von Märchen, Puppenspielen, Geschichten und Reigenspielen
• durch die überschaubare Vorbereitung und das Feiern von Festen
• durch gleichmäßig liebevolle Beziehung zu jedem Kind und seinen Erziehern zu Haus


Pädagogik in freier Trägerschaft
Erzieherinnen und Erzieher im Waldorfkindergarten arbeiten in einer Einrichtung

• die von den Eltern gewollt, mitgeschaffen und unterstützt wird
• die angelegt ist auf die Zusammenarbeit zwischen ihnen und den Selbstverwaltungsorganen des Trägers
• in der alle Beteiligten herausgefordert sind, an einer vom Geist der Pädagogik bestimmten sozialen Ordnung mitzuarbeiten
• die sich bemüht, den Kindern eine Umgebung zu schaffen, in der sie ihr Kind-Sein entfalten und ausleben können


Erzieherinnen und Erzieher
• haben die Grundlagen der kindorientierten Waldorfpädagogik kennengelernt und setzen dieses Studium praxisbegleitend fort
• bemühen sich, die Methoden dieser Pädagogik in ihrem Arbeitsbereich so anzuwenden, wie es ihren Beobachtungen und Erfahrungen entspricht
• nehmen Tagesrückschau und Vorplanung ernst
• vertiefen und beleben ihr menschenkundliches Wissen und ihren pädagogischen und didaktisch - methodischen Ansatz in wöchent-lichen Mitarbeiterkonferenzen und durch die Teilnahme an regionalen und überregionalen Fortbildungs-veranstaltungen
• wollen dem Kinde über das Vorbild-Sein helfen, die Selbstfindung, Schicksalsgestaltung und Sozialität für das ganze Leben anzulegen
• bemühen sich um intensive Zusammenarbeit mit den Eltern


Wie wird man Erzieherin oder Erzieher im Waldorfkindergarten oder für -Horte und -Heimeinrichtungen?
Entweder
Durch den Besuch einer staatlich anerkannten Fachschule für Sozialpädagogik im Rahmen eines Waldorfkindergartenseminars in

Berlin, Dortmund, Kassel oder Stuttgart

als zweijährige grundständige Ausbildung mit anschließendem Anerkennungsjahr in einem
Waldorfkindergarten
Voraussetzung: In der Regel "Mittlere Reife" oder anderer gleichwertiger Abschluß und ein Jahr Vorpraktikum in einem Waldorfkindergarten; sowie ein Mindestalter von 19 - 20 Jahren.

Oder
nach Abschluß der Erzieherausbildung an einer Fachschule durch den Besuch von zusätzlichen Block- oder berufsbegleitenden Kursen in

Berlin, Dresden, Hannover, Kiel, Köln, Mannheim, München, Rendsburg, Stuttgart oder Witten-Herbede

Diese Kurse werden durch Praxiszeiten in einem Waldorfkindergarten ergänzt; in einem sich anschließenden Anerkennungsjahr soll sich die Qualifikation zum Erziehen im Waldorfkindergarten erweisen.

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